Die nationale Handlungsfähigkeit bei strategisch und militärisch relevanten Kernfähigkeiten soll durch Reduzierung der Abhängigkeit von außereuropäischen Akteuren gesichert werden. Erhalt, Ausbau und Stärkung eigener Fähigkeiten bei der Satellitenkommunikation, Raketen-Frühwarnung und Flugkörperverfolgung, Aufklärung, Weltraumüberwachung sowie bei Weltraumoperationen stehen im Vordergrund. Dabei ist die Einbindung deutscher Weltraumsysteme in europäische und internationale Bündnisse und Partnerschaften wie z.B. NATO von großer Bedeutung.
Ziel des Aufwuchses bis 2029 ist eine verteidigungsfähige Weltraumarchitektur. Für die Bundeswehr sind bereits mehrere Projekte zur Modernisierung des satellitengestützten Kommunikationssystems im Bodensegment einschließlich Steuerungs- und Überwachungssystem in der Beschaffung sowie von geostationären Nachfolge-Kommunikationssatelliten in der Umsetzung. Zukünftig unterstützt eine Bundeswehr-eigene, umlaufende Konstellation aus Kommunikationssatelliten die vernetzte Gefechtsführung über alle Dimensionen hinweg – Luft, Land, See, Cyber und Weltraum (Multi-Domain-Operationen). Hier wird die Innovationskraft der deutschen Industrie gefragt sein. Unser Ziel ist es, auch Start-ups und Gründer aus dem Bereich „New Space“ hier mit zu berücksichtigen und von deren Innovationskraft zu profitieren. Die Nutzung von Serviceleistungen verteilt zudem Risiken und garantiert einen frühzeitigen Aufwuchs.
Die Möglichkeit, mehrere vernetzte Satellitenkonstellationen mit schnell verfügbaren Transportkapazitäten ins All zu bringen, soll mit einem Mix aus kleinen Trägerraketen für flexible Starts sowie europäischen Schwerlastträgern den strategischen Zugang in den Weltraum für den Erhalt und Ausbau der Weltraumarchitektur langfristig sichern.
Das BMVg hat deshalb im Rahmen der ESA-Ministerratskonferenz im November 2025 für insgesamt vier Projekte mit einem Finanzbedarf von rund 292 Millionen Euro gezeichnet. Diese Projekte sind Teil der deutschen Bestrebungen zur strategischen Unabhängigkeit im Weltraum. Insbesondere die Möglichkeiten zur Durchführung von Weltraumoperationen, die Weltraumnutzung als Dauereinsatzaufgabe und die Erstellung von Weltraumlagebildern werden somit nachhaltig unterstützt.
Das „Future Launchers Preparatory Programme” (FLPP) dient zur Entwicklung von Schwerlastträgersystemen, „Boost!“ soll die Infrastruktur und Logistik für Startkapazitäten erweitern und „VIGIL“ soll für eine größere strategische Unabhängigkeit bei der frühzeitigen Vorhersage von Sonnenereignissen und deren Auswirkungen z.B. auf Radarsysteme, Funk- und Satellitenkommunikation sorgen. Das Projekt „Active Debris Removal/In Orbit Servicing“ (ADRIOS) dient der verbesserten Sicherheit und besseren Nutzung der eigenen Satelliten im Weltraum.
Bei den vier genannten Vorhaben handelt es sich um Entwicklungslösungen im europäischen Rahmen, um die Unabhängigkeit europäischer Staaten mit Fähigkeiten im Weltraum zu stärken. Durch die Übernahme der Finanzierung dieser vier Projekte werden sowohl der deutsche Arbeitsanteil an ESA als auch die Beteiligung nationaler Industrieanteile erhöht. Die Projektierung erfolgt über die ESA, die nationale Interessenvertretung übernimmt die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR. Das BMVg kann somit seine Interessen, vor allem bei Lastenträger-Projekten, in das Programmboard der ESA einbringen.
Die Rolle der Bundeswehr als Teil gesamtstaatlicher Weltraumarchitektur wird wachsen und eine enge zivil-militärische Kooperation u.a. mit dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR mit sich bringen. Das gilt auch für die Intensivierung europäischer Kooperationen, u.a. im Bereich der Aufklärung. Unser Ziel ist es, die rasant voranschreitenden Entwicklungen im Weltraum aktiv mitzugestalten, um souverän und selbstbewusst im Weltraum handeln zu können. Damit leisten wir unseren Beitrag, Deutschlands Freiheit und Sicherheit auch im Weltraum zu verteidigen.
Generalleutnant Michael Vetter
Abteilungsleiter Innovation und Cyber sowie Chief Information Officer im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg)
Generalleutnant Michael Vetter, Jahrgang 1962, ist seit Oktober 2025 Abteilungsleiter Innovation und Cyber sowie Chief Information Officer im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) in Berlin.
Nach Eintritt in die Bundeswehr im Jahr 1982 und Ausbildung zum Offizier studierte er Wirtschafts- und Organisationswissenschaften. Nach mehreren Truppen- und Stabsverwendungen führte er von 2005 bis 2007 als Kommandeur das Luftwaffeninstandhaltungsregiment 2 in Diepholz sowie von 2012 bis 2017 das Logistikzentrum der Bundeswehr in Wilhelmshaven. Auf diesem Posten verantwortete er die weltweite logistische Unterstützung der Bundeswehr. In dieser Zeit war er 2013 auch ISAF Stellvertretender Chef des Stabes Unterstützung im Regional Command North Mazar-e-Sharif in Afghanistan.
2017 wurde er der erste Chef des Stabes des neu aufgestellten Kommandos Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr. Von 2017 bis 2018 nahm er zusätzlich die Aufgaben des Stellvertreters des Inspekteurs Cyber- und Informationsraum wahr.
Von April 2019 bis September 2025 war er Abteilungsleiter Cyber/Informationstechnik und Chief Information Officer im BMVg in Berlin.
