„Diese Bilder wurden innerhalb eines außergewöhnlich kurzen Zeitraums übertragen und verarbeitet. Einige von uns erinnern sich noch daran, dass Sentinel-1B bereits zwei Stunden nach Aktivierung die ersten Radarbilder übermittelte. Sentinel-1D hat dies sogar noch übertroffen und damit, wie wir glauben, einen neuen Rekord für Radaraufnahmen aus dem Weltraum aufgestellt. Diese bemerkenswerte Leistung spiegelt das Engagement und die hervorragende Vorbereitung aller involvierten Teams wider.“
Nuno Miranda,
Sentinel-1-Missionsmanager der ESA
Die Copernicus-Sentinel-1-Mission besteht aus zwei identischen Satelliten, die sich auf derselben Erdumlaufbahn befinden und alle sechs Tage die gesamte Erdoberfläche erfassen. Sentinel-1D wird nach einer überlappenden Betriebsphase 2026 den im All befindlichen Satelliten Sentinel-1A ersetzen. Zusammen mit Sentinel-1C, der 2024 gestartet ist, bilden sie in Zukunft das neue Satellitenpaar. Die Deutsche Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) begleitet das Copernicus-Programm im Auftrag des Bundes auf europäischer Ebene und unterstützt die Nutzung in Deutschland durch konkrete Maßnahmen. Das Radarinstrument auf Sentinel-1D wurde von Airbus in Friedrichshafen gebaut. Institute des DLR in Oberpfaffenhofen unterstützen bei der Kalibrierung der Radarinstrumente.
Copernicus ist das größte und erfolgreichste Erdbeobachtungsprogramm in Europa. Es besteht aus mehreren parallelen Missionen. Die Sentinel-1-Mission ist mit einem speziellen Radarinstrument ausgestattet (SAR – Synthetic Aperture Radar), das hochauflösende Bilder erzeugen kann. Sie werden bei Tag und Nacht unabhängig von Wolkenbedeckung aufgenommen und bilden den gesamten Planeten ab.
Bilder von Sentinel-1 werden für zahlreiche Anwendungsfälle bei der globalen Überwachung von Landflächen und Ozeanen benötigt. Beispiele sind die Forschung zum Klimawandel, Umweltmanagement, Katastrophenhilfe, beispielsweise bei Überflutungen, die Detektion kleinster Bewegungen der Erdoberfläche wie Hebungen, Senkungen und langsame Rutschungen sowie das Erkennen von Ölverschmutzung und Schiffen inklusive deren Bewegungen.
So konnte kürzlich durch die Daten der Sentinel-1-Mission gezeigt werden, dass ungefähr 75 Prozent der globalen Fischfangflotten bisher für öffentliche Ortungssysteme unsichtbar waren. Nicht alle Schiffe sind gesetzlich verpflichtet, ihre Position zu übermitteln. Jedoch können Schiffe, die nicht in öffentlichen Überwachungssystemen erfasst sind, eine Herausforderung für den Schutz und das Management der natürlichen Ressourcen der Meere oder auch für die Sicherheit auf den Meeren darstellen. Satellitendaten bieten hier, wie auch in vielen anderen Bereichen, eine große Hilfe.
ESA-Generaldirektor Dr. Josef Aschbacher (Mitte) stellt gemeinsam mit Dr. Andrius Kubilius, EU-Kommissar für Verteidigung und Raumfahrt (links), und Philip Evans, Generaldirektor EUMETSAT (rechts), die ersten Satellitenbilder von Sentinel-1D vor. (© DLR)
Copernicus – ein gemeinsames Programm von EU und ESA
Copernicus ist ein gemeinsames Programm der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Die EU betreibt mit dem Programm satellitengestützte Informationsdienste für Landoberflächen (CLMS), Ozeane (CMEMS), Atmosphäre (CAMS), Katastrophen- und Krisenmanagement (CEMS), Klimawandel (C3S) und zivile Sicherheit (CSS). Auch immer mehr deutsche Behörden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie innovative Unternehmen arbeiten mit Copernicus-Daten. Grundlage all dieser Anwendungen und Dienste sind sechs Satellitenfamilien, die sogenannten Sentinels – zu Deutsch „Wächter“ –, die von der ESA zusammen mit der Europäischen Organisation zur Nutzung meteorologischer Satelliten (EUMETSAT) betrieben werden. Die Sentinels stellen eine gewaltige Menge an Bildern und Messungen bereit, die für alle Nutzerinnen und Nutzer kostenfrei verfügbar gemacht werden. Dadurch sind in Deutschland und ganz Europa zahlreiche neue behördliche Anwendungen und privatwirtschaftliche Produkte entstanden. Diese Entwicklung schreitet weiter voran.

